Was kann Creative Commons (CC)?

Das Lizenzsystem von Creative-Commons ermöglicht die rechtskonforme, aber unkomplizierte Einräumung von Nutzungsrechten im Kontext des geltenden Urheberrechts.

  • zeitlich und räumlich unbegrenzt
  • ohne individuelle Verhandlungen
  • Transparenz zu Nutzungsrechten für alle
  • ggf. iVm. bestimmten Bedingungen der Autor*in(en)

 

Die Nutzung von OER (z.B. CC-Lizenzen) erfolgt also nicht im „rechtsfreien Raum“. Sie basiert auf rechtsgültigen Verträgen, die allerdings den Vorteil haben, dass sie nicht im Rahmen einer individuellen Transaktion (Vertragsverhandlung, Vertragsschluss), sondern „automatisch“ zustande kommen. Wird gegen die OER-Nutzungsvereinbarung in Form der Open-Content-Lizenz verstoßen, sind die üblichen rechtlichen Möglichkeiten eröffnet, dagegen vorzugehen.

Wichtig: Wird gegen CC-Lizenzbedingungen verstoßen, entfällt die Lizenz automatisch mit dem Verstoß.

Was muss ich beim Teilen von offenen Bildungsressourcen beachten?

Beim Teilen von offenen Bildungsressourcen beachten Sie bitte folgenden Punkte:

  • Titel des Werks (optional):
    Sie können den Namen des Inhalts (sofern einer vorhanden ist), müssen dies jedoch nicht.
  • Namensnennung:
    Bitte nennen Sie die/den Urheber*in beim Namen! Das kann auch ein Pseudonym und/oder eine Organisation sein – so wie es vorgegeben wird.
  • Lizenz:
    Bitte nennen Sie die gewährte Lizenz und die entsprechende Version! Dabei reichen die gängigen Kürzel wie zum Beispiel: unter der Lizenz CC BY SA 4.0
  • Verweis zum Lizenztext:
    Bitte bieten Sie einen Verweis zum Text der gewährten Lizenz an! Wenn kein Link möglich ist (z.B. bei gedruckten Materialien oder in Videos) sollte der Link ausgeschrieben zu sehen sein, also zum Beispiel: creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
  • Fundstelle (optional)
    Der Hinweis zur Fundstelle ist nicht zwingend vorgeschrieben, aber eine freundliche Geste und eine praktische Erleichterung: Sie können gern einen Link zur Fundstelle des Inhalts setzen. Zum Beispiel: via Wikipedia (mit Link zum Inhalt auf Wikipedia)
  • Wichtig:
    Falls das Werk bearbeitet wurde, muss gekennzeichnet werden, dass eine Bearbeitung erfolgt ist. Zur Vertiefung ein Beitrag auf open-educational-resources.de.

Beispiele Nutzungsszenarien offener Bildungsressourcen: Screenshots, Abbildungen und Videos

Wie verwende ich Screenshots bzw. Websites Dritter in offenen Bildungsressourcen rechtskonform?

Sie möchten in offenen Bildungsressourcen Screenshots bzw. Websites Dritter verwenden und sind unsicher, wie Sie dabei vorgehen sollen?

Eine Website kann ein Werk im Sinne des Urheberrechtes sein. Voraussetzung ist auch hier die Schöpfungshöhe, also die individuelle und originelle Komponente der Website. Soweit es an dieser fehlt, ist die Website als solche gemeinfrei.

Da Screenshots keine sogenannten „Licht“-Bilder sind (das heißt nicht mittels Strahlentechnik erstellt), sind sie nicht wie Lichtbilder nach §72 UrhG urheberrechtlich geschützt. Sie dürfen daher ohne Rückfrage verwendet werden. Achtung: Das gilt allerdings nur für die Screenshots selbst! Ob man deren Inhalt nutzen darf, muss gesondert geprüft werden. Bei einem Screenshot eines fremden Fotos bzw. Textes muss man daher prüfen, ob z.B. die Zitatschranke bzw. die Schranke als bloßes Beiwerk greift. In Bezug auf die grafische Gestaltung der Website darf ein Screenshot nur dann verwendet werden, wenn die Website keine individuelle, sich vom alltäglichen Schaffen abhebende Eigentümlichkeit und keine individuelle Prägung in dem darstellerischen Gedanken zeigt.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Screenshots so klein zu verwenden, dass diese gem. § 57 UrhG als „unwesentliches Beiwerk“ durchgehen können: Zulässig ist dann die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von Werken, wenn sie als unwesentliches Beiwerk neben dem eigentlichen Gegenstand der Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe anzusehen sind.

Vorsicht bei Websites und Screenshots bei erkennbaren personenbezogenen Daten, z.B. Namen oder Porträtfotos! Hier die Persönlichkeitsrechte dieser Personen beachten, also Namen schwärzen, Portraits verpixeln etc., dazu im folgenden mehr.

Sehr zu empfehlen in Bezug auf Screenshots von Websites für offene Bildungsressourcen ist die Lektüre des Beitrags von Henry Steinhau auf dem Portal von iRights (25.06.2020).

Wie verwende ich Abbildungen mit Personenbildern in offenen Bildungsressourcen rechtskonform?

Sie möchten in offenen Bildungsressourcen erkennbare Personenbilder verwenden und sind unsicher, wie Sie dabei vorgehen sollen?

Grundsätzlich weist der Gesetzgeber natürlichen Personen das Selbstbestimmungsrecht darüber zu, ob und wenn ja in welcher Form Bildnisse veröffentlicht, vervielfältigt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Kern dieses Grundsatzes ist im Instrument der Einwilligung ausgeprägt, d.h. grds. dürfen Personen nicht ohne ihre Einwilligung abgebildet und die Abbilder veröffentlicht werden. Eine Einwilligung ist grundsätzlich nicht formbedürftig, d.h. sie kann schriftlich, mündlich oder auch durch schlüssiges Handeln erteilt werden. Schlüssiges Handeln kann zum Beispiel das "Posieren" vor einer Kamera sein. Die sicherste Form - und deswegen im Kontext von offenen Bildungsressourcen zu empfehlen - ist die schriftliche Einwilligung: Mustererklärungen (DOC/PDF)

Mit der unmittelbaren Geltung der EU-Datenschutzgrundverordnung seit 25. Mai 2018 ist jedoch nicht nur die öffentliche Verbreitung, sondern auch bereits das Speichern (d.h. Aufnehmen) von Bildern natürlicher Personen in den besondern Fokus geraten, da bereits Foto- / Filmaufnahmen eine datenschutzrechtlich relevante Verarbeitung personenbezogener Daten sind.

Auf folgende Rechtsgrundlagen können Sie sich beziehen, wenn Sie Foto- bzw. Filmaufnahmen in den offenen Bildungsressourcen aufnehmen:

  • Einwilligung der Person (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO)
  • Vertrag (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO), z.B. etwa über die Teilnahme an einer Veranstaltung
  • berechtigtes Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO)

Wie verwende ich Videos Dritter in offenen Bildungsressourcen rechtskonform?

Sie möchten offenen Bildungsressourcen erstellen, diese mit fremdem Filmmaterial bzw. Videos anreichern oder eigene Videos herstellen und wissen, worauf dabei rechtlich zu achten ist?

Sie möchten fremde Aufnahmen nutzen, bei denen kein Urheberrechtsschutz oder Leistungsschutz mehr besteht, d.h. bei denen das fremde Werk durch Ablauf der Schutzdauer gemeinfrei geworden ist.

→ In einer solchen Situation ist eine Nutzungsanfrage entbehrlich.

Filmaufnahmen bzw. Videos sind jedoch regelmäßig entweder als Filmwerk oder als sog. Laufbilder geschützt. Der Unterschied besteht u.a. in der Schutzdauer, die bei Filmwerken bis 70 nach dem Tod der/des Urhebers*in beträgt und bei Laufbildern bis 50 Jahre nach erstmaligem Erscheinen bzw. öffentlicher Wiedergabe.

Ein Filmwerk erfordert eine gewisse Schöpfungshöhe, d.h. ein bestimmtes Maß an Originalität und Eigenheit, um urheberrechtlich geschützt zu sein.

Die Schöpfungshöhe kann sich u.a. ergeben aus

  • einer besonderen Schnitttechnik
  • speziellen Bildkompositionen oder Bilderabfolgen
  • einem hohen Einsatz von Licht und Schatten
  • ausgefeilten Techniken
  • ungewöhnlichen Motivvariationen
  • einer besonders eigene Bildsprache.

Einfache Filmaufnahmen oder Standbilder sind stets als sog. Laufbilder rechtlich geschützt. Es handelt sich dabei dann um Bild- oder Bild-Ton-Folgen, die durch ihre Aneinanderreihung als Bewegtbilder erscheinen, aber keine, wie es für den Schutz als Filmwerk erforderlich, Werksqualität aufweisen.

→ In diesen Fällen sollten Sie sich bei der/beim Rechteinhaber*in für die Zwecke offenen Bildungsressourcen ausgestaltete Nutzungsrechte einräumen lassen.

In einem nächsten Schritt sollten Sie überprüfen, ob der Inhalt der Filmaufnahmen/Videos möglicherweise rechtlich geschützt ist und die Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen geklärt sind.

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